Insulinresistenz, Glukoseintoleranz & Diabetes Typ 2 – Warum gerade wir Hashis fett werden. Ein Lösungsansatz.

Warum sind gerade wir Hashis davon so oft betroffen, fett zu werden?

Unser Stoffwechsel ist durch die Hashimoto Thyreoiditis stark verlangsamt, manchmal komplett zum erliegen gekommen. Wir nehmen oft unkontrolliert an Gewicht zu und unser Körperfettanteil erhöht sich und wir können dabei zu schauen. Man hat das Gefühl trotz Bewegung, oder Sport und einer niedrigen Kalorienzufuhr nichts dagegen unternehmen zu können. Dein Mann oder deine Freundin sitzen neben dir uns futtern Schokolade und während das Papier knistert und du nur den Duft der Schoki aufnimmst, nimmst du zu.

Manchmal isst man aus purer Verzweiflung nur noch einmal am Tag, ist auf dem besten Weg in eine Essstörung und niemand vermag einem zu helfen. Es ist ein Sprichwörtlicher Kampf gegen Windmühlen, der den Stoffwechsel noch zusätzlich herunter fährt.

Dazu kommt dann, das wir oft Jahre benötigen, um richtig eingestellt zu sein. Wenn wir nicht schon Jahre damit verbracht haben, das uns ein Arzt überhaupt erst mal ernst genommen und das Hashi auch erkannt hat. Und selbst wenn das Hashi eine bereits bekannte Diagnose ist, wissen wir auch wie schwierig es sein kann, dem Arzt die nötigen Blutwerte aus freiem T4, freiem T3, TSH Basal, zusammen mit den Antikörpermarkern aus PTO-Ak(MAK), TAK, TRAK zu entlocken. Von Vitaminen D3, B12 und Ferritin kann man oft nur träumen und muss darum betteln.

Was passiert wenn wir nicht richtig eingestellt sind

  • Stoffwechsel fährt herunter
  • Hormonbildung fährt herunter
  • Nährstoffe, Vitamine, Mineralien kommen nur noch stark vermindert oder gar nicht mehr im Körper an
  • Der Körper denkt wir hätten eine Dürre Periode und hortet alles was er bekommen kann
  • Der Stoffwechsel wird durch uns, aus Verzweiflung noch weiter herunter gefahren
  • Heißhungerattacken folgen und machen das Ganze noch schlimmer
  • wir werden depressiv, weinerlich, antriebslos, kriegen Schlafstörungen, Muskelschmerzen, Konzentrationsprobleme…
  • Insulin und Blutzucker sind in ständigen Berg- und Talfahrten

Wir sind dann vielleicht wirklich schon depressiv und fettleibig, aber nicht weil uns der Arzt uns für einen Couchpotato hält, der nur Chips, Schokolade und Cola in sich hineinstopft und sich nicht bewegt, sondern weil eben das Hashi unentdeckt blieb oder nicht richtig behandelt wird. Eine richtige Einstellung mit Schilddrüsenhormonen kann dann trotzdem ein lebenslanger Prozess bleiben, da sich unsere Lebensumstände, das Alter, der Stress und das Gewicht auch stetig verändern.

Wir entwickeln dann schleichend ein sogenanntes metabolisches Syndrom aus Übergewicht, Bluthochdruck, Fettleber, Insulinresistenz und später vielleicht noch Diabetes Typ 2. Wir müssen uns diesem Schicksal aber nicht ergeben…


Was ist Insulin und wie kommt es zu einer Resistenz?

Insulin ist ein körpereigenes Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, das unsere Zellen dazu anregt Glucose(Zucker) aus dem Blut aufzunehmen. Wenn der Insulinspiegel aufgrund von einem ständigen zuviel an Zucker und Kohlenhydraten (Mehrfachzucker) und einem zu wenig an Bewegung hoch bleibt, können die Zellen dagegen resistent werden. Sie reagieren dann weniger als bei gesunden Menschen auf Blutzucker und nehmen diesen nur noch vermindert oder gar nicht mehr auf. Die Folge ist ein konstant erhöhter Anteil von Zucker im Blut.

Insbesondere die Leber, das Fettgewebe und die Muskeln reagieren dann weniger auf Insulin. Das nennen wir dann Insulinresistenz.

Als Folge dessen kann es dann später sogar passieren, dass der Körper in der Bauchspeicheldrüse gar kein Insulin mehr ausschüttet und das Zucker im Blut konstant und lebensgefährlich hoch bleibt. Die Zellen bekommen dann gar kein Signal mehr, diesen Zucker aufzunehmen. Dann sprechen wir von einer Diabetes Typ 2 (Zuckerkrankheit)

Die Insulinresistenz kann aber auch schlanke Menschen bei einem zuviel an Kalorien und vor allem Kohlenhydraten und Zucker betreffen. Übergewicht ist lediglich ein großer Risikofaktor. Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits ins der Familie Übergewicht, metabolisches Syndrom, Insulinresistenzen, Glukoseintoleranzen und Diabetes haben. Geringe Körperliche Bewegung, Übergewicht und ein zuviel an Kohlenhydraten und Zucker erzeugen eine Schieflage der Energiezufuhr und des gegenüber gestellten Verbrauchs und steigert freie Fettsäuren im Blut, was wiederum die Zuckerverwertung in Muskeln und Fettgewebe mindert. Diese Störung kennzeichnet die Insulinresistenz.

Risikofaktoren für Insulinresistenz können sein

  • Schieflage des Stoffwechsels
  • Übergewicht
  • familiäre Disposition
  • metabolisches Syndrom
  • geringe körperliche Bewegung
  • Heißhungerattacken
  • unregelmäßiges Essen
  • übermäßiges Essen von Zucker und einfachen Kohlenhydraten
  • ein zuviel an Kalorien auf einmal
  • Medikamente
  • Stress – Cortisol mindert Wirksamkeit von Insulin und hemmt das Immunsystem
  • PCO, Schwangerschaft (Frauen)

Der Körper reagiert auf all das mit einem gesteigertem Ausstoß von Insulin (Hyperinsulinismus). Dies wiederum führt zu einer Schwächung der Insulinrezeptoren an den Zellen, die Resistenz nimmt weiter zu. Das vermehrte Insulin steigert die Fettspeicherung und wir nehmen noch mehr zu.


Wie wird eine Insulinresistenz erkannt?

Es gibt mehrere Möglichkeiten eine Insulinresistenz zu erkennen.

Am gängigsten ist die Ermittlung mittels des sogenannten HOMA Indexes (Homeostasis Model Assessment). Dabei wird Morgens der Nüchtern-Insulin und die Nüchtern-Glukose im Blut gemessen. Beide Werte werden miteinander multipliziert und durch 22,5 geteilt. Heraus kommt der HOMA-Index. Die Formel lautet also: HOMA-Index = Insulin (µu/ml) x Glukose (mmol/l) / 22,5

In Deutschland wird nach folgenden Kriterien und Werten diagnostiziert.

HOMA-Index Beschreibung
unter 2,0 Eine Insulinresistenz ist unwahrscheinlich
2,0 – 2,5 Der Hinweis auf eine Insulinresistenz ist gegeben
2,5 – 5,0 Eine Insulinresistenz ist wahrscheinlich
5,0 und mehr Eine Insulinresistenz ist vorhanden

Zuckerbelastungstest
Zu Beginn wird hier mit Abstand von mindestens 10 Stunden zum Abendessen eine nüchterne Blutentnahme zur Zuckerbestimmung gemacht. Danach erfolgt die Einnahme einer definierten Menge Zucker (75 g, bei Kindern 1,5 g pro kg Körpergewicht), die in lediglich ca. 300 ml Wasser aufgelöst werden. Anschließend erolgt die mehrfache Blutentnahme zur Zuckerbestimmung nach 60 min und 120 min, bei erweitertem Test nach jeweils 60 Minuten oder z. B. beim Auftreten einer Unterzuckerung.

Wichtig hierbei. Die Tage zuvor sollte man normal oder mindestens 150g Kohlenhydrate am Tag gegessen haben. Für Frauen gilt ein 3 tägiger Abstand vor und nach der Periode.

weiter Infos zu dem Verfahren findet ihr auf Wikipedia

Diagnose aufgrund von Fettwerten im Blut:
Insulinresistent ist man mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn die Triglyceridwerte oberhalb von 2,44 mmol/l (215 mg/dl) liegen und gleichzeitig hohe Fetuin-A-Werte gemessen werden.

Zusätzlich: Niedrige Adiponektinspiegel.

Andere Blutwerte
Erhöhter Proinsulinspiegel im Blut. Proinsulin ist ein Vorläufermolekül des Insulin und wird in der Bauchspeicheldrüse synthetisiert. Das eigentliche Insulin ensteht erst durch Abspaltung des sogenannten C-Peptids.
Da bei einer Insulinresistenz immer mehr Insulin produziert wird und das Proinsulin nur noch unzureichend aufgespalten werden kann, lässt sich ein erhöhter Proinsulinspiegel im Blut messen.

Diagnose anhand BMI und Bauchfett
Eine eher schwammige Diagnose wird außerdem anhand des BMI gemacht. Viel wichtiger ist aber hier das Bauchfett. Daher gilt man mit großer Wahrscheinlichkeit als insulinresistent, wenn eines der beiden folgenden Kriterien zutrifft:

Der BMI ist größer als 28,7 kg/m2 oder
der BMI ist größer als 27,0 kg/m2 und die Person hat direkte Verwandte, wie Eltern & Geschwister mit Diabetes.

Eine Diagnose aufgrund des BMI allein, ist nicht zu empfehlen, da jeder Sportler bereits einen erhöhten BMI hat, allerdings selten viel Bauchfett aufweist.


Lösungsansätze

Da wir nun also wissen, das vor allem Zucker und Kohlenhydrate (die letztendlich auch einfache oder mehrfache Zucker sind), in Glukose aufgespalten werden und den Blutzucker erhöhen, den Stoffwechsel zusätzlich hemmen und das Insulin konstant hoch oder zumindest, je nach Zuckerart, in einer ständigen Berg- und Talfahrt halten, liegt die Lösung sehr nah. Einige Dinge die wir tun können sind:

Stoffwechsel ankurbeln – innerer Reiz

  • stell dich gut mit SD Hormonen ein
    TSH Basal unter 1, ft3 und ft4 ins obere Drittel
  • füll deine Vitamine und Mineralstoffe auf
  • geh früher schlafen
    ab ca. 21h fährt der Körper seine Bauchspeicheldrüsen, Nieren- und Leberaktivitäten herunter
  • Stoffwechsel durch regelmäßiges Essen ankurbeln

Stoffwechsel ankurbeln – äußerer Reiz

  • mehr Bewegen, nimm die Treppe, lauf zum einkaufen, steige eine Station früher aus, nimm das Fahrrad
  • Sport, insbesondere HIIT – Hochintensives Intervall Training, Tabata, Spinning, Zumba, Zirkeltraining, CrossFit, Freeletics, Calisthenics, Kraftsport

Ernährung

  • Zucker meiden, am besten durch Insulin- und Blutzuckerneutrale Ersatzzucker ersetzen
    Xucker, Erythrit, Zuckerkulör…
  • Kohlenhydrate allgemein, aber vor allem Abends reduzieren
  • Abends Eiweiß und Fett, statt Brot
  • iss mehr Hülsenfrüchte
  • iss niedrig glykämische Lebensmittel
    https://jumk.de/glyx/
  • iss Abends keine Fructose(Obst) mehr, das stoppt die Fettverbrennung
  • iss mehr Ballaststoffe und
  • mehr Faser reiches Gemüse ohne Stärke
    Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Salate…
  • wenn du Hunger hast, iss/nasche etwas fettiges
    Nüsse, Fisch, Fleisch, Käse, Joghurt und Quark mit 10-40% Fettstufe, Kokosfett
  • iss auch gesättigte Fette, wir brauchen das Cholesterin für die Hormonproduktion
  • mehr Stoffwechsel, Insulin und Blutzucker beeinflussende und ankurbelnde Gewürze essen
    Knoblauch, Kurkuma, Chilli, Ingwer, Ceylon Zimt(reguliert auch den Blutzucker), Kümmel, schwarzer Pfeffer

Insulinresistenz, Glukoseintoleranz und sogar eine daraus später folgende Diabetes Typ 2 sind nichts, womit wir für immer Leben müssen. Unsere Zellen und der Stoffwechsel sind in der Lage sich wieder zu beruhigen. Bei einer ausgeprägten Diabtetes Typ 2 dauert das natürlich sehr viel länger und mitunter ist der Grad der Erkrankung bereits so schwierig, das man dafür Jahre und harte Disziplin braucht.
Glück für alle die nur eine Insulinresistenz und Glukoseintoleranz haben.

Über Sebastian 25 Artikel
Sebastian ist selbst betroffen von Hashimoto Thyreoiditis, Buchautor, Sportler, Übungsleiter und Blogger aus Überzeugung und Leidenschaft. Er gibt sein Wissen nun seit 2015 erfolgreich im Netz, Büchern und in diesem Blog an andere Hashimoto Betroffene, Insulinresistenz-Erkrankte und Interessierte weiter.

2 Kommentare

  1. Langsam weiß ich schon nicht mehr, was ich essen soll und darf, weil jeder was anderes sagt

    Du schreibst: mehr Faser reiches Gemüse ohne Stärke
    Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Salate…

    Frau Vanessa Blumenhagen hingegen rät davon ab
    .. Auf Bokkoli, Rosenkohl, Grünkohl, Blumenkohl, sowie auf Senf und Brunenkresse sollten Sie verzichten. Sie enthalten Enzyme, die die Kropfbildung fördern und die Schilddrüse zusätzlich belasten.

    Ja was denn nun?!

    Bei mir wurde 1995 Hashimoto diagnostiziert und seitdem Zeitpunkt konnte ich zusehen, wie ich immer mehr wurde … Absoluter Höhepunkt war ein Gewicht von 145kg
    Zwar habe ich es geschafft, bzw. hat mein Körper zugelassen, dass ich bis auf 125kg wieder runter gekommen bin, jedoch weigert er sich seit dem auch nur ein Gramm mehr zu verlieren. Egal was ich gemacht habe

    Das mit dem Sport ist so eine Sache … am Anfang hat man noch Erfolg, aber dann scheint sich der Körper daran zu gewöhnen und aus ist es wieder mit dem Abnehmen und man nimmt wieder munter zu beim Anblick von Schokoladenwerbung

    Erst gestern hat mir ein Arzt ins Gesicht gesagt … Sie werden niemals abnehmen .. seien sie froh, wenn sie das Gewicht halten können.

    Gibt es tatsächlich eine Möglichkeit trotz aller Widrigkeiten (Hashimoto/Diabetes) an Gewicht zu verlieren?

    • Liebe Caro, sorry für die Verspätung. 🙂
      ich fange mal hinten und positiv an…

      Sport und Abnehmen trotz Hashi und IR/Diabetes T2:
      Klar geht das. Sogar sehr gut, wenn man beides unter Kontrolle bekommt.
      Kohlenhydrate und Zucker musst du dir verdienen! merk dir diesen Satz und präge ihn dir gut ein 🙂

      – Als erstes solltest du dich mit dem Hashi optimal nach Wohlbefinden einstellen. Dabei hilft es, wenn du ft4 und ft3 erst einmal ins obere Drittel orientierst und dann fein justierst. Hast du da aktuelle Werte oder dies schon erreicht?
      – Nährstoffe und Vitamine sind hier ebenso wichtig. Lies doch vielleicht mal meinen Artikel dazu.
      – ich würde schauen, dass ich ausreichend esse, also nicht unterm Grundumsatz und mindestens 30ml pro Kg Körpergewicht trinke
      – ich gehe nach einer großen Mahlzeit spazieren, das hilft zu verdauen
      – versuch deine Mahlzeiten so einzuteilen, dass der Hauptanteil aus Gemüse, Fett und Eiweiß besteht. Keine schnellen Kohlenhydrate wie Kartoffeln, Nudeln, Reis, Gebäck, Brot, Kuchen, Zucker…
      – mache kurze intensive Sporteinheiten wie Tabatas, Intervalltraining, kurze Sprints – maximal 30-45min. Sport, 2-3x die Woche.
      – bewege dich täglich mindestens 2x 30min. am Stück
      – gönn dir Ruhephasen und stress dich nicht, es wird passieren, wenn du dran bleibst
      – Schlafe genug
      – iss Abends keine Kohlenhydrate und Zucker mehr, die halten deinen Insulinspiegel hoch und den Nüchternzucker am Morgen oben – Heißhunger garantiert
      – beim ersten Heißhunger Gefühl trink ein Glas Wasser

      Zum Thema Brokkoli und Frau B. … ihre Bücher haben uns allen zwar sehr geholfen das Thema in eine breitere Öffentlichkeit zu bekommen, sie sind aber nicht umsonst auch sehr umstritten. Sie beschreibt oft Wege der Genesung nah an der Esotherik oder tiefe Löcher in den Geldbeutel reißend, weil sie es kann. Das hilft aber niemandem da draußen, der ein normales Leben jenseits der Medien und mit normalem Geldbeutel führt. Brokkoli enthält zumindest auch ein wenig natürliches Jod, das wir zwingend für die Schilddrüsenhormonproduktion/resorbtion benötigen. Ich habe damit bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. Probiere es doch einfach aus. Gemüse kostet nicht viel. Ich kaufe gern TK, da es frischer und langlebiger aufzubewahren ist.

      Liebe Grüße,

      Sebastian

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*