Warum du mit Hashimoto keine Angst vor Fett beim Essen haben solltest.

Hilfe, Fett! Bist du irre? Da werde ich doch noch kranker, habe keine Energie, kriege Fettleber, Herz-Kreislaufkrankheiten und das Gehirn braucht Zucker! Das weiß man doch!!!

Ja, aber schauen wir uns das doch mal genauer an. Die meisten dieser Krankheiten entstehen eben nur durch Kohlenhydrate und Zucker in Verbindung mit Fett und einem Überschuss an Energie, weil der Körper nicht mehr primär die Fette verwertet und verwendet, sondern erstmal die Kohlenhydrate als Energieversorgung verstoffwechselt. Das Fett wird dann eingelagert und als Speicher für später behalten. Das hat die Natur so eingerichtet für uns, damit wir in Dürrezeiten ein paar Tage überleben können.

Da wir in diesem Zuckerstoffwechsel – außer wir sind im Defizit oder machen uns im Sport tot – diese Speicher aber so gut wie nie aufbrauchen und angehen, werden wir fett und krank. Wir verbrennen kein Fett mehr. Mit Hashimoto, und wenn du nicht gut eingestellt bist, geht dieser Vorgang noch viel schneller, da der Stoffwechsel verlangsamt oder gar komplett tot ist. Wir sind müde, abgeschlagen und antriebslos, weil der Körper ständig am verdauen ist und nicht mehr hinterher kommt.

Die Leber lagert dann vermehrt Fett ein, die Galle kommt nicht mehr hinterher Fette im Magen aufzulösen, der Magen bleibt schwer, es kann zu aufstoßen und Reflux kommen – in Folge dessen steigt auch das böse LDL-Cholesterin durch unverbrauchte Cholesterine und das gute HDL-Cholesterin sinkt – unsere Hormonproduktion ist dann zusätzlich gestört – die Arterien verkalken, das Herz wird angegriffen usw.

Es macht also Sinn, diesen Prozess komplett umzukehren und die Hauptenergie für uns wieder aus Fetten zu beziehen und damit den Fettstoffwechsel wieder anzukurbeln. Statt 60% Kohlenhydraten und 90 g Zucker am Tag, wie es die DGE (deutsche Gesellschaft für Ernährung derzeit noch empfiehlt), nutzen wir 50-60% Fett als Hauptlieferant für Energie. Die DGE finanziert sich übrigens über Zuwendungen der Zuckerlobby – ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang sieht. 😉

Wir unterstützen und optimieren so auch wieder die Hormonbildung (Steroidbiosynthese), durch die Verstoffwechslung von Cholesterin, wir regen die Lipolyse und Zellerneuerung an – denn jede Zelle besteht aus Lipiden, also Fetten – die Fettverbrennung läuft wieder, die Proteinsynthese wird verbessert und das positive Plus ist, das wir uns so auch entzündungshemmend ernähren, denn es fallen automatisch sämtliche Weißmehle und Glutenquellen weg, die wir Hashis meiden sollten. Auch Heißunger kriegen wir meist so gut in den Griff, denn Fette und Eiweiße halten länger satt und geben uns unterm Strich mehr Energie.

Zusätzlich können wir damit viele Nebenerkrankungen wie einzelnen Hormondominanzen bzw. -dysbalancen, PCO(bei Frauen), Insulinresistenzen und Diabetes oder Unverträglichkeiten wie Zöliakie entgegen treten und diese erfolgreich bearbeiten.

Wer jetzt noch Angst hat, das das Gehirn keinen Zucker mehr bekommt und wir zum Zombie mutieren, den kann ich beruhigen. Der Körper ist intelligenter als wir denken. Er kann aus Proteinen (Eiweiß) und Glyceriden (Bestandteil aus Fetten) jederzeit für das Gehirn, das Nierenmark, unsere roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Spermien (beim Mann) die benötigte Menge an Glukose mittels Gluconeogenese herstellen – und das macht er auch ständig. Wir brauchen dafür lediglich etwas mehr Protein am Tag, damit das Ganze reibungslos von statten geht.

Studien haben ergeben, das man bereits mit 0,8 g Eiweiß pro Kg Körpergewicht Muskeln aufbauen kann. Da sich allgemeine Empfehlungen derzeit zwischen 1 – 1,5 g bewegen und ich gute Erfahrungen mit 1,2-1,5 g am Tag unter täglichem Kraftsport gemacht habe – ich konnte meine Muskelmasse weitestgehend erhalten, während ich in einem Jahr 33 Kg abgenommen habe – empfehle ich 1 g für Nicht Sportler und bis zu 1,5 g für Sportler in die Ernährung mit einzubauen. Hier solltet ihr euch beobachten und anpassen. Oder einfach so essen, das ihr satt werdet.

Zusammen gefasst
– Fett macht allein nicht fett
– Fett hilft uns überhaupt Hormone zu bilden und zu verstoffwechseln
– Fett macht satt
– Fett liefert mehr Energie als Kohlenhydrate und Zucker
– Fett reguliert den Cholesterinspiegel
– Fett verbrennt Fett
– Fett hilft beim Zellwachstum und hält so jung

Für den Einstieg oder Umstieg in eine Kohlenhydrat reduzierte Ernährung, empfehle ich meinen Artikel und besonders den Teil zum Glykämischen Index hier.

Also keine Angst, Fett ist nett! 🙂

Über Sebastian 26 Artikel
Sebastian ist selbst betroffen von Hashimoto Thyreoiditis, Buchautor, Sportler, Übungsleiter und Blogger aus Überzeugung und Leidenschaft. Er gibt sein Wissen nun seit 2015 erfolgreich im Netz, Büchern und in diesem Blog an andere Hashimoto Betroffene, Insulinresistenz-Erkrankte und Interessierte weiter.

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