Motivation: Ein Versuch der Selbstfindung & zurückblicken auf die Vergangenheit

Warum, Wieso, Weshalb?
Ein Versuch der Selbstfindung, Abrechnung mit der Vergangenheit, des mich Hinterfragens und der Suche nach neuer Motivation.

Gestern, am 1.Mai 2017, fuhr ich bei strahlendem Sonnenschein, 12 km mit dem Fahrrad ins Blaue hinein. Ich mache das mindestens 1x die Woche – 10-15 km mit dem Rad fahren. Das gehört zu meinem Sportprogramm und dient vorrangig der Kondition, hilft mir aber auch den Kopf frei zu machen und zu entspannen.

Ich habe, wie so oft auch dieses Mal die Kamera dabei gehabt und hielt ca. 8 km von mit zu Hause kurz inne, um obiges Foto zu schießen. Vorher fuhr ich an spazier gehenden Menschen vorbei, die ihre Hunde ausführten oder mit dem Kind unterwegs im Grünen waren und plötzlich kam mir dieser eine Gedanke.

Warum bin ich gerade hier? Wieso mache ich das, obwohl ich vollkommen allein unterwegs bin?

Denn ich habe leider keine Kinder oder jemanden der mit mir freie Tage verbringt. Aus welchem Grund raffe ich mich also trotzdem täglich aufs Neue auf und „quäle“ mich raus an die frische Luft, arbeite ehrenamtlich oder gehe zum Sport? Ich könnte ja genauso gut auf der Couch liegen bleiben und mir den 100sten Film reinziehen oder vor dem TV, mit RTL und Co. dabei zu sehen, wie meine restlichen Gehirnzellen absterben, während ich etwas knabbere und einfach nur nichts tue. Warum auch nicht, das machen 90% der Gesellschaft mittlerweile so.

Die Antwort ist einfach, wie kompliziert. Ich mag es nicht und kriege es auch nicht hin, mehr als eine Stunde still zu sitzen. Das ist mein großer Vorteil, der mir aber in der Vergangenheit, zum Beispiel zu Schulzeiten auch Probleme bereitete, denn ich konnte mich schon als Kind nicht sehr gut und lange auf eine Sache konzentrieren. Durch Hashimoto und einen schweren Autounfall, den ich vor Jahren hatte, ist das noch viel schlimmer geworden.

Was mir dabei hilft runter zu kommen, sind meditative und repetitive, also gleichbleibende Dinge, die meine Gedanken frei fließen lassen und bei denen ich mich nur kurzzeitig und nicht intensiv konzentrieren muss. Dazu gehören für mich

  • lesen
  • malen
  • schreiben
  • fotografieren
  • puzzlen
  • basteln
  • spazieren gehen
  • herumtollen
  • Fahrrad fahren
  • kochen & backen
  • mit Freunden etwas unternehmen
  • Sport (in meinem Fall CrossFit und Kung Fu)
  • uvm.

Ich befasse mich also unbewusst und doch ganz bewusst mit Dingen, die mir helfen mich zu zerstreuen und auf andere Gedanken zu kommen oder Gedanken, die mich beschäftigen und mich unterbewusst stressen, kurzzeitig zu vergessen.

Auf diese Weise komme ich herunter, begrabe viel von meinem Stress oder baue ihn ab. Ich bewege mich und halte den Stoffwechsel in Gang, konzentriere mich weniger auf Arbeit, Probleme, die Krankheit, das nächste Meeting oder den nächsten Termin, der mir vielleicht schon Angst macht.

Ich helfe mir damit, mir selbst zu helfen und das heilt meine Seele, hält meinen Körper und den Geist fit.

 

Mein Warum ist groß – mein Wie kommt von allein.
Denn die Gründe es anzupacken sind mir viel wichtiger, als mich den kränkenden Gedanken weiter hinzugeben und mich in Trauer und Selbstmitleid hängen zu lassen. Auch wenn gerade alles vermeintlich schlecht, nicht optimal, traurig, grau und pleite ist.

Ich weiß mittlerweile, warum ich aktiv mit dem Hashimoto und anderen Problemen umgehen kann, wie ich es anpacke, ohne das es mich weiter hindert und mich lähmt.

 

Die Vergangenheit – Teufelskreis, Schmerz und Verlust

Ich war vorher auch in einer langjährigen Phase, in der ich am Ende alles verlor, das mir wichtig war. Das Hashi und die Glutenunverträglichkeit haben mich zu dieser Zeit so gelähmt – ich nahm immer weiter an Gewicht zu, aß kaum noch etwas, hatte aber chronischen, blutigen Durchfall. Konnte mich selbst nicht mehr ausstehen. Niemand wollte und konnte mir helfen – vor allem Ärzte es nicht einmal erkennen.

Ich bin bei gutem Wetter nicht mal mehr raus gegangen. Habe Freundschaften vernachlässigt. Meine Freundin und große Liebe verloren, weil ich ihr nicht dauerhaft und nur für kurze Momente, die Art von Liebe und Aufmerksamkeit geben konnte, die sie gebraucht und verdient hätte. Ich hatte oft das Gefühl, das sie mich nicht ganz ernst nahm und wütend wurde, aber auch daran verzweifelte mir nicht helfen zu können. Aber wie konnte sie auch? Ich habe ja selbst nicht verstanden, was mit mir los war. Ich bin immer öfter durchgedreht, weil ich diesem Teufelskreis nicht mehr entkommen konnte.

 

Hilfe suchen

Erst als ich anfing mich, mit der letzten Kraft die ich noch hatte, zu kümmern – mir zu aller erst psychologische Hilfe und eine Therapie für neue Strategien und Lösungswege suchte – wurde es besser. Ich habe daraus neue Kraft geschöpft und bin es erneut angegangen. Ich fand eine neue Endokrinologin, schloss mich auf Facebook der großen Hashimoto Gruppe an und begann zu verstehen was mit mir los war. Auf diese einfache, völlig nahe liegende und banale Idee, mich einer Facebookgruppe anzuschließen, obwohl ich dort tagtäglich aktiv und mit fast 2000 Freunden weltweit vernetzt bin, bin ich nicht einmal mehr gekommen.

Ich habe dann zwar mein gesamtes Erspartes aufgebraucht, um vor allem erst einmal Vitamin- und Mineralstoffspiegel im Blut und Nahrungsunverträglichkeitentests zu machen, aber ich bin dadurch um Lichtjahre nach vorn geworfen worden. All die Jahre in Frust, Selbstmitleid und Lähmung, waren fast schon umsonst.

Das Problem sind die Krankenkassen, die es normalen Ärzten unmöglich machen, an der Basis des Menschen, nämlich an Vitaminen, Mineralien und der Biochemie des Stoffwechsels zu forschen, welches Problem vorliegt. Es gehört einfach nicht zum Leistungskatalog der Kassen. Du bekommst Medikamente um Symptome zu bekämpfen. Das ist bei Diabetes Typ 2 oder Asthma nicht anders. Niemand aber sagt dir, wie du die Ursachen angehst, um gar nicht erst krank oder noch kranker zu werden.

 

Reset. Alles auf Anfang.

Ich fing in Step 2 an erstmal alles zu stoppen was ich bis dahin probiert hatte. Es gab einen Reset. Ich habe dann begonnen meine Vitamine und Mineralien aufzufüllen und auch hier wieder einen Sprung um Lichtjahre nach vorn gemacht. Mein Vitamin D3 war mit einem Wert von 12 so niedrig, das ich zwangsläufig an Depressionen leiden musste. Das vor allem wir Hashis einen viel höheren Vitamin D Spiegel und eine substituierte Versorgung benötigen, wissen hoffentlich mittlerweile auch Ärzte. Das ich durch den Teufelskreis nicht mehr als nötig raus ging, verschlimmerte die Situation natürlich zusätzlich.

Mein Vitamin C war, durch die langen Jahre mit Durchfall und dem Umstand, das ich gegen fast alle Obstsorten seit der Kindheit allergisch bin, so niedrig, dass mich das Labor selbst anrief, noch bevor sie die Werte zur Ärztin schickten, um mir mitzuteilen, das ich kurz vor einem Skorbut stehe. Das ist eine Krankheit durch Vitamin C Mangel, die man seit dem Mittelalter nicht mehr kennt.

Weiterhin hatte ich so viele Mängel an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen, das es unnötig wäre diese hier weiter aufzuzählen. Wir erkannten außerdem, dass ich durchs Hashi mittlerweile so gestörte Hormone hatte, dass eine Östrogemdominanz vorlag und ich so als Mann zusätzlich immer weinerlicher wurde, der Fettstoffwechsel zusätzlich gestört wurde und alles in den Bauchraum ging und ich so nicht abnehmen konnte. Denn Bauchfett erzeugt wieder neue Hormone – ein weiterer Teufelskreis, den es zu durchbrechen galt. Meine Testosteronwerte waren umgekehrt so niedrig, dass man von Unfruchtbarkeit redet. Ich bekomme seitdem dagegen Progesteron und seitdem wachsen, meine Haare auf dem Kopf auch wieder. Ich kann außerdem Nachts besser schlafen und bin kein weinerliches Häufchen Elend mehr.

 

Ernährung umstellen, Hormone einstellen, kämpfen!

In Step 3, habe ich dann, nochmals meine Ernährung umgestellt. Hin zu einer, nach meinen Möglichkeiten(mit all den Allergien), entzündungshemmenden und Fett verbrennenden Ernährung. Low Carb High Fat scheint dabei derzeit für mich und viele tausend andere Hashis am Besten zu funktionieren. Ich habe jetzt, in anderthalb Jahren 34 Kg abgenommen.

Ich bin optimaler mit Stoffwechselhormonen eingestellt und weiß nun selbst worauf es bei mir und Hashimoto ankommt, welche Blutwerte entscheidend sind und wie ich am Besten meinen Tagesablauf mit der Vitamineinnahme plane. Ich belese mich viel und weiß nun auch grob, wie der Stoffwechsel funktioniert. Ich kann mir endlich selber helfen.

All der Schmerz und die Qualen der vergangenen Jahre, all die Verluste, haben also auch etwas Gutes – Ich bin informierter und gehe nun gestärkt daraus hervor. Ich bin soweit meine Hilfe auch anderen anzubieten, denn ich weiß auch wie viele von euch da draußen ähnliche Probleme haben.

Mein Warum ist also groß genug, das Wie ist nun von ganz allein mein Antrieb geworden!

Über Sebastian 26 Artikel
Sebastian ist selbst betroffen von Hashimoto Thyreoiditis, Buchautor, Sportler, Übungsleiter und Blogger aus Überzeugung und Leidenschaft. Er gibt sein Wissen nun seit 2015 erfolgreich im Netz, Büchern und in diesem Blog an andere Hashimoto Betroffene, Insulinresistenz-Erkrankte und Interessierte weiter.

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